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Rezensionen

Matthias Härtels Buch „Die Geschichte eines Fotos“ ist ein eindringliches Stück gelebter DDR-Geschichte. Was mit der scheinbar unspektakulären Szene eines Familienfotos beginnt, entfaltet sich nach und nach zu einem vielschichtigen Panorama von Kindheit, sozialem Aufstieg, Widerstand, Haft und schließlich Ausreise. Der Text ist zugleich Erinnerung, Anklage und eine Liebeserklärung an eine Familie, die sich von keinem System brechen ließ. Ausgangspunkt ist ein Foto aus dem Frühjahr 1984: der letzte Abend in der DDR. Die Eltern, der nichtsahnende kleine Bruder, der Sohn mit einem Kloß im Hals – und eine Zukunft, die buchstäblich an der Türschwelle auseinanderbricht. Von diesem Bild aus…
„In der Kürze liegt die Würze“ – und genau das beweist Heiderose Teynors Roman auf eindrucksvolle Weise. Auf wenigen Seiten entfaltet sich eine Familiengeschichte, die Krieg, Gefangenschaft, DDR-Alltag und den Mauerfall 1989 umspannt: das Schicksal von Toni, Marie und ihrer Tochter Mandy. kompakt erzählt und doch voller Tiefe, Gefühl und innerer Spannung – das hat mich besonders überzeugt. Wir begleiten Toni durch die Härte sibirischer Kriegsgefangenschaft, wo ein paar handbeschriebene Seiten über seine thüringische Heimat zu seinem inneren Rettungsanker werden. 1955 kehrt er nach Jena zu Marie zurück, später wird Tochter Mandy geboren – doch im neuen Staat wird ihre…
Norbert Sternmut ist ein lyrischer Perfektionist. Seine Gedichte fordern dazu auf, tiefer in seine Denkmaterie vorzudringen. So auch sein neuestes Werk Schattensprung – 144 Seiten philosophischer Reflexion, durchzogen von gesellschaftlicher Kritik in nuancierten Versen. Es ist kein Buch, das man beiläufig liest, sondern eines, das fordert – und einlädt, über den eigenen Schatten zu springen. In den Abschnitten „Nahaufnahme“ und „Lichteinfall“ entfaltet Sternmut eine fotografisch geschärfte Perspektive, die Abbild und Wahrnehmung kunstvoll verschränkt. Er überschreitet gesellschaftliche Grenzen und tradierte Denkmuster, kritisiert kriegerische und gewaltförmige Konfliktmodelle und entwirft stattdessen die Vision einer „Solidarität der Kreaturen“ – einer empathischen Verbundenheit von Mensch,…
Unglaublich – bereits der 13. Band der Schwedenthriller-Reihe, und doch gelingt es Fiona Limar und Leif Eklund erneut, von der ersten Seite an zu fesseln. Todesstollen entführt die Leser wieder in die düstere, atmosphärisch dichte Welt der schwedischen Ermittlerin Alva Claesson – und liefert Hochspannung pur. Der Einstieg ist packend: Ein Mädchen bricht bei einer Wanderung abseits der Wege in einen alten Stollen ein. Bei der Rettungsaktion wird eine Leiche entdeckt – die Überreste einer Sechzehnjährigen, die vor zehn Jahren verschwand. War es ein Unfall oder Mord? Die Ermittlungen führen Alva Claesson und ihr Team zurück in die Vergangenheit und…
Ein historischer Politthriller, der Spionageplot, Kalten Krieg und die Nachbeben von Auschwitz so kunstvoll verschränkt, dass man den Roman kaum noch als „bloße Fiktion“ lesen kann: „Codename Herzstoss“ ist ein vielschichtiger Agentenroman über Schuld, Loyalität und späte Wahrheiten – und schreit förmlich nach einer Fortsetzung. Toni Garber verankert seine Handlung in der Endphase des Kalten Kriegs. Geheimdienste, Schattenarmeen und politische Machtspiele jenseits demokratischer Kontrolle bestimmen das Geschehen. Die Ramstein-Katastrophe, die ökonomische Krise der DDR (Schalk-Golodkowski, Technologieschmuggel, Devisenbeschaffung) sowie Anspielungen auf NATO-Stay-behind-Strukturen wie die rechte Geheimarmee „Herzstoss“ verleihen dem Roman eine beklemmende politische Tiefenschärfe. Die Einbindung realer Figuren – Markus Wolf,…
Vor der lichtdurchfluteten Kulisse von Bordeaux und der Weite der Atlantikküste entfaltet sich ein leises, tiefgründiges Narrativ von Neuanfängen und späten Chancen. Es erzählt von Freundschaft und Liebe, vom behutsamen Sich-Annähern, vom Aushandeln von Nähe und Distanz. Eine Geschichte, die unter die Haut geht, weil sie sanft und leise daherkommt, und gerade deshalb lange nachhallt wie ein Echo Dieses Werk trägt das ganze Spektrum des Lebens in sich – Traurigkeit und Lachen, Zweifel und Zuversicht, Verletzlichkeit und Liebe. Im Mittelpunkt steht Alexandra, 48 Jahre alt, frisch verwitwet, noch tastend auf dem Weg in ein neues Leben. Mit Touristenführungen durch Bordeaux…
Mit Thanatos – Der Kelch der Zeit legen Esther Novalis und Jean P. ein Werk vor, das weit über klassische Science-Fiction hinausgeht. Mutig ist vor allem der gewählte Erzählweg: ein konzentriertes, nahezu durchgehendes Lesen wird nicht nur eingefordert, sondern geradezu vorausgesetzt. Das Ergebnis ist ein Roman, der intellektuell fordernd und zugleich fesselnd wirkt. Die Erzählung bewegt sich souverän zwischen Zeitreisebericht, Zukunftsvision, philosophischer Reflexion und gesellschaftlichem Kommentar zu Technologieethik, Klassengegensätzen und Verantwortungskultur. In dieser formalen wie inhaltlichen Ambition überzeugt das Werk auf ganzer Linie. Besonders klug getroffen ist die Entscheidung, die Handlung als dokumentierte Radiosendung beziehungsweise Holo-Podcast aus der Zukunft zu…
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