Rezensionen
Den Lesetipp bekam ich von einem Freund und ich muss sagen, dass dieses Buch mich beim Lesen echt kalt erwischt hat. Was Monchi hier aufschreibt, ist keine theoretische Politik-Analyse, sondern eine unheimlich ehrliche, oft schmerzhafte Nahaufnahme vom Leben in der vorpommerschen Provinz. Er schreibt über seine Heimatstadt Jarmen, über Menschen, die er seit Jahren kennt, über seine Familie und seine kleine Tochter – und über die Frage, wie man in einem Umfeld miteinander leben kann, in dem die politischen Gräben immer tiefer werden. Der Auslöser für das Buch ist ein heftiger Schlag in die Magengrube: Bei der Bundestagswahl 2025 wählen…
Ein packender Krimi im emotionalen Ausnahmezustand Mit ihrem Kriminalroman „Tödliche Vergebung“ entflicht die Autorin Alex S. Judge ein dichtes Netz aus Schuld, Schweigen und moralischen Abgründen. Vor der atmosphärischen Kulisse einer drückenden Würzburger Hitzewelle entfaltet sich ein tiefgründiges Familiendrama. Das Besondere an diesem Buch: Der Fall fordert nicht nur detektivischen Spürsinn, sondern stürzt beide Ermittler unabhängig voneinander in eine existenzielle, psychische Zerreißprobe. Als kurz hintereinander zwei Männer inmitten der lähmenden Sommerhitze scheinbar freiwillig aus dem Leben scheiden, weigert sich die junge Kommissarin Nina Schätzlein, an einen Zufall zu glauben. Doch die Ermittlungen nehmen für sie eine hochgradig persönliche Wendung, als…
Nachdem mich der Auftakt der historischen Reihe von Fiona Limar, die hier unter dem Pseudonym Ilka Roth schreibt, so unerwartet tief berührt hat, stand für mich fest: Ich möchte Ilse auf ihrem weiteren Weg unbedingt begleiten. Zu sehr ist mir diese junge Frau bereits im ersten Band ans Herz gewachsen. Mit Unglücksbräute gelingt der Autorin eine Fortsetzung, die mich sofort wieder fesselnd in Ilses Welt hineingezogen hat. Die dichte, atmosphärische Erzählweise des ersten Bandes setzt sich fort und bekommt zugleich eine neue, fesselnde Nuance. Ilses Weg führt sie diesmal fort aus der erstickenden Enge ihres Heimatdorfes und hinein in die…
Wenn Nähe nicht mehr Geborgenheit bedeutet Mit ihrem neuen Roman „Nähe ist kein Zuhause“ gelingt Verena Dahms ein leises, tief berührendes Buch über den schmalen Grat zwischen Anpassung und weiblicher Selbstbestimmung. Für mich ist es vor allem eine Geschichte über einen Menschen, der sich selbst fast verloren hat – und den Mut finden muss, sich wiederzufinden. Die Geschichte beginnt im goldenen Herbstlicht von Paris. Ariane verlässt ihre vertraute, perfekt geordnete Welt, um ihrem Ehemann Laurent nach Marseille zu folgen. Was zunächst wie ein gemeinsamer Aufbruch in ein neues, vielleicht sogar aufregenderes Leben erscheint, wird zunehmend zu einer Reise nach innen. …
Es gibt Bücher, die liest man. Und dann gibt es Bücher, die sich in der Seele breitmachen, sich einnisten, einiges durcheinanderbringen, die dich nicht mehr loslassen, ob des abrupten Wechsels von zauberschön zu einem psychischen und physischen Martyrium. „Herabschauender Hund“ gehört für mich genau zu diesen Büchern, denn Die Geschichte hat mich am Ende sehr nachdenklich und aufgewühlt zurückgelassen Ich wusste durch die Triggerwarnungen, dass mich keine leichte Geschichte erwarten würde. Trotzdem war ich nicht darauf vorbereitet, wie tief mich Anna und Felix berühren würden. Das atmosphärische und isolierte Setting in den Bergen, rund um das alte, renovierungsbedürftige Forsthaus, unterstreicht…
Wenn die Kränkung zur Waffe wird Manchmal beginnt ein Mord nicht mit dem grellen Mündungsknall eines Schusses, dem kalten Aufblitzen einer Klinge oder in einem einzigen, verhängnisvollen Augenblick des Affekts. Er beginnt viel früher, im Stillen, im Verborgenen. Dort, wo sich eine Kränkung tief ins Fleisch frisst, wo Verletzungen über Jahre hinweg eitern und aus einem rein persönlichen Schmerz langsam, aber unaufhaltsam ein verzerrtes Weltbild erwächst. Alex S. Judges Kriminalroman „Tödliche Abgründe“ erweist sich als ein literarisches Seziermesser, das genau in diese psychologischen Wunden hineinschneidet. Das Buch verweilt nicht bloß an der Oberfläche von Leichen und Indizien, sondern blickt auf…
Rena Bardorf schenkt uns ein feines Büchlein voller ergreifender Kurzgeschichten, die mich auf leise, aber nachhaltige Weise erreicht haben. Diese Geschichten erzählen von Menschen, die mit ihrem Schicksal ringen, von Verletzungen, Verlusten und dem langen Weg zur inneren Versöhnung. Besonders gefallen hat mir, dass Bardorf gerade den unscheinbaren Momenten Raum gibt – jenen Augenblicken, die im Alltag oft übersehen werden, aber im Herzen lange nachklingen. Alles wirkt dabei ehrlich und feinfühlig, ohne jemals ins Kitschige abzurutschen. In „Heimatland – Niemandsland“ wird die innere Zerrissenheit des Protagonisten Stefan Maronow eindrucksvoll sichtbar. Als ehemaliger polnischer Zwangsarbeiter im Westerwald lebt er zwischen Anpassung…