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Leseprobe: Mit Lampenfieber und Musik - Heike Sonn

 

 

--- LESEPROBE ---  

Mit Lampenfieber und Musik

Heike Sonn

 

 


 Über das Buch:

Tessa ist frisch getrennt und schwört, sich nie wieder zu verlieben. Die mollige Rotblonde will ihr Leben ändern und auf keinen Fall die Unterstützung ihres Ex-Manns annehmen. Ein Job muss her und dringend mehr Selbstbewusstsein. In einer Notsituation hilft Tessa Leadsänger Ben und seinem kleinen Bruder, hysterischen Fans zu entkommen. Das beeindruckt Ben und er bietet ihr einen Job als Kinderfrau bei seinen Geschwistern an.

Doch Tessa ist nicht bei allen Mitgliedern der singenden Großfamilie willkommen. Außerdem hat sie keine Ahnung, wie sie den Alltag einer so großen Familie bewältigen soll. Aber sie hat Biss und Herz und es gelingt ihr, die Geschwister mit ihren Kochergebnissen nicht zu vergiften. Schon bald fühlt Tessa sich als Teil der Familie und zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie das Gefühl, angekommen zu sein. Als sie sich gegen ihren Willen in Ben verliebt, drohen die Familie und die Band auseinanderzubrechen. Tessa könnte erneut alles verlieren.


Über die Autorin:

Heike Sonn sagt über sich selbst: ››Die Freude, mit Buchstaben eine Welt zu erschaffen, bunt, oder auch manchmal sehr böse – so wie es mir gefällt und einfällt - macht riesigen Spaß.‹‹

Sie schreibt, liest und lacht in Bremen. Die Autorin mag Seen und das Meer mehr als Berge, Stille mehr als Trubel und ohne Humor geht gar nichts. Außerdem mag sie Menschen und erklärt verschmitzt: ››Die Dosis ist das Gift.‹‹ Ihre Texte sind leicht, mitunter sozialkritisch, manchmal auch böse und enthalten meist eine Portion Humor. Ihr Buch ›Mit Lampenfieber und Musik‹, ein Liebesroman mit Familienanschluss.


 

                                      I.

 

Da! Da war das blöde Ding. Tessa quetschte sich noch etwas weiter zwischen die Füße der Verkaufstische. Schemenhaft sah sie dunkle Umrisse ihres Portemonnaies und angelte danach.

     »Das ist kein Schnäppchen, sondern mein Fuß und den gebe ich nicht her«, teilte ihr prompt eine tiefe Stimme mit, deren amüsierter Unterton nicht zu überhören war.

     Erschrocken zog sie die Hand zurück, schoss hoch und knallte mit dem Kopf gegen die Unterseite der Tischplatte. Sie unterdrückte einen Fluch, richtete sich auf und rieb sich die    schmerzende Stelle.

     »Coolpack? Sanitäter?«, fragte ein dunkelhaariger Typ mit Sonnenbrille.

     »Sehr witzig.«

     »Okay, Spaß beiseite. Es war nicht wirklich schlimm, oder?« Er deutete auf ihren Kopf und nahm die Brille ab.

     Sie würde einfach nicht antworten. Doch der Coole ging nicht, kam sogar näher. Was wollte er? Diese meerblauen Augen, das schiefe Grinsen … er kam ihr bekannt vor. Allerdings bekam sie den Eindruck nicht scharf gestellt. Außerdem musste sie ihr Geld finden. Sie ging wieder in die Hocke, zwängte sich erneut zwischen die Tischbeine und bereute ihre überzähligen Kilos, die das Unterfangen nicht eben leichter machten.

     »Gibt’s auf dem Boden bessere Angebote und suchen Sie etwas Bestimmtes?«

     »Sicher keine Tiefpreise, sondern mein Geld«, gab sie zurück. Ihr Gesicht brannte. Konnte er nicht einfach gehen?

     »Geld? Oder vielleicht … Geldbeutel?«

     Tessa stutzte, zog sich aus dem Gestänge zurück und richtete sich auf. Tatsächlich hielt der verkappte Entertainer außer seiner Brille jetzt auch ihr Portemonnaie in den Fingern. Neben seinem Mundwinkel bildete sich ein Grübchen. Wie war der denn drauf? Warum sagte er das nicht gleich? Seufzend streckte sie ihm die Hand entgegen.

     »Moment! Erst will ich sicher gehen, dass es wirklich Ihre Börse ist.« Er betrachtete den Geldbeutel. »Welche Buchstaben stehen drauf?«

     »O. P. E. R!« Als Nächstes würde er wahrscheinlich auch noch nach Finderlohn fragen. Sie griff nach dem Portemonnaie – und entriss ihm die Sonnenbrille gleich mit. Tessa versuchte, sie aufzufangen, blieb mit ihrer Tasche am Tisch hängen und stolperte. Es knirschte unter ihrem Fuß, hässlich und vernichtend. Entsetzt starrte sie auf das zerstörte Brillengestell. »Oh nein.«

     »Oh doch.«

     Ein Himmelreich für einen Tarnumhang. Sie quetschte sich ein Lächeln ins Gesicht. Spätestens jetzt sollte sie so tun, als ob sie seine Sprüche witzig fand. Schnell taxierte sie ihn. Sein kurzer Mantel sah nicht billig aus; dann war es die Brille bestimmt auch nicht gewesen. Das hatte ihr gerade noch gefehlt.

     Ein blonder, etwa zehnjähriger Junge schob sich durch den Gang. »Big Brother, bist du fertig? Ich finde hier nichts. Von Werder Bremen haben sie hier auch nichts Neues.«

     »Hast du auch auf dem Boden nachgesehen, Andy? Da soll es die besten Angebote geben!«

     »Hä? Spinnst du?« Der Blondschopf ließ seinen Finger an der Schläfe kreisen, dann fiel sein Blick auf die Überreste der Brille. »Oh, das Teil ist Schrott. Hab mich schon gewundert, dass du sie abgesetzt hast. Wie ist das denn passiert? Setzt der Trottelmodus schon mit Anfang zwanzig ein?«

     »Mit achtundzwanzig anscheinend«, sagte Tessa leise. »Ich bin Schuld.«

     »Ach so.« Der Junge grinste sie entwaffnend offen an. »Na, dann hat mein Bruder ja noch ein paar Jahre.« Der Bengel sah sich um, verzog das Gesicht, fischte eine knallrote Mütze vom Grabbeltisch und gab sie seinem Bruder. »Da hinten droht nämlich Kreischalarm. Setz die auf, Ben! Schnell.«

     Natürlich! Ben und Andy! Das waren zwei der Brüder aus der Familienband Tyscon! Ben setzte die Bommelmütze tatsächlich auf, aber es war zu spät. Aufgeregte Rufe drangen von der anderen Seite der Verkaufsfläche zu ihnen herüber. Zahnspangen blitzten, fünf Mädchen deuteten auf sie und bahnten sich bereits einen Weg durch das Getümmel. Die Gelegenheit ihren Fauxpas mit der Brille wieder gutzumachen. »Hinter den Kleiderständern sind Umkleiden. Versteckt euch da und ich versuche, die Girls aufzuhalten.« Hatte sie das jetzt tatsächlich laut gesagt? Es schien so, denn Andy reagierte bereits, packte seinen Bruder am Arm, riss ihn mit sich und beide verschwanden aus ihrem Blickfeld – und wie sie hoffte, aus dem der Fans auch.

     Tessa schlug einen Bogen, eilte im Zickzackkurs zwischen den Verkaufstischen hindurch der kreischenden Mädchengruppe entgegen und stellte sich ihnen in den Weg. »Habt ihr Ben auch erkannt? Cooler Typ, oder? Wenn ihr den noch erwischen wollt, müsst ihr euch beeilen. Da hinten läuft er!« Sie deutete auf die andere Seite der Etage. Die Teenies liefen tatsächlich los. Tessa atmete auf und als sie sicher war, dass die Mädchen sie nicht beachteten, ging sie in die entgegengesetzte Richtung und huschte in den Raum mit unzähligen Kabinen. Unter den Vorhängen spähte sie durch und erkannte Bens Schuhe. Mit einer einzigen Bewegung sauste sie hinter den Vorhang und wäre in den Sänger hinein gerannt, wenn er sie nicht mit den Händen abgewehrt hätte.

     »Wow, wow, wow, erst meine Brille und jetzt ich? Wie kann ich das abstellen? Mit einem Autogramm?«

     »Von eurem Gesangsverein? Bestimmt nicht«, gab sie atemlos zurück und bemerkte Andys entrüsteten Blick. »Tschuldigung«, sagte sie leise, »aber für sowas ist keine Zeit. Wie wäre es, wenn ich die Mütze aufsetze und Ben und ich die Jacken tauschen? Dann laufen die Fans hoffentlich mir nach und ihr könnt verschwinden.«

     »Ob das klappt?« Ben hob die Brauen. »Na ja, einen Versuch ist es wert«, fügte er hinzu und gab ihr seinen Mantel im Tausch gegen ihre Jacke. Die Skepsis in seinem Gesicht trieb ihren Puls in ungeahnte Höhen – und weckte ihren Trotz. Sie drückte ihm ihre Tasche in die Hand und fischte den gerade gekauften Schal heraus. 

     »Umbinden und vor das Gesicht ziehen. Schnell, die Mädchen dürften gleich hier sein.« Kurz bevor sie in Schnappatmung verfiel, atmete sie durch, setzte das rote Ungetüm auf und stopfte ihre Locken darunter. »Zum Zurücktauschen treffen wir uns am Süßigkeitenplatz, da hängt eine Marktbude auf Lebkuchenherzen. Findet ihr.« Sie ignorierte Andys Kichern und Bens verständnislosen Blick, öffnete den Vorhang einen Spalt und lugte nach draußen. 

     »Meinst du: Marktplatz und Stand mit Lebkuchenherzen?« 

     Sie drehte sich um. »Sagte ich doch!« Bens breites Grinsen weckte den Wunsch in ihr, alles rückgängig zu machen. 

     Zu spät. Das Gekreische wurde lauter. Sie glitt aus der Kabine und schob sich in der Deckung zweier wohlgenährter Damen aus dem Raum. Gerade rechtzeitig. Die überdrehten Mädchen schossen seitlich heran. Tessas Magen zog sich zusammen. Sie wandte sich ab, schlug den Kragen hoch, zog die Mütze tiefer und blieb trotz der hysterischen Energie stehen, die die Mädels in ihrem Rücken verbreiteten. Die Rufe verstärkten sich: »Da ist er. Ben! Benniii!« 

     Das klang näher, als ihr lieb war. Tessa spurtete los. Jeden Moment befürchtete sie, eine Hand an ihrer Schulter zu spüren. Auf der Rolltreppe quetschte sie sich mal rechts, mal links an den Leuten vorbei und murmelte pausenlos Entschuldigungen. In der oberen Etage riss sie die Mütze vom Kopf, ließ sie hinter einen Kartonstapel rutschen und wuselte durch ihre Haare. Wenige Meter weiter sank sie auf einen Stuhl, griff nach einem Schuhkarton und hielt ihn hoch. Vorsichtig spähte sie an ihm vorbei. Die Teenies waren neben einer Säule stehengeblieben und blickten sich um. Tessa hielt die Luft an. 

     Erst, als die Mädchen weiterliefen, atmete sie langsam aus. Das Geschnatter der Gruppe wurde leiser. Kaum zu glauben, dass ihre Aktion geklappt hatte. Ein Räuspern riss sie aus ihren Gedanken. Neben ihr stand ein Verkäufer und sah auf den offenen Karton. Biker-Boots, Größe 47, las sie. 

     »Kann ich Ihnen behilflich sein?« 

     »Nein, nein danke, zu klein«, stammelte sie, drückte dem Mann den Karton in die Hand, stand auf und hastete davon. 

     Sie zog den Mantel eng um sich. Ein Duft von Zitrone und Sandelholz stieg auf. Ihr Puls beruhigte sich langsam. Doch nur kurz, dann setzte ihr Verstand wieder ein. 

    War es nicht ziemlich dämlich, einem Wildfremden Parka und Tasche zu überlassen? Warum kamen ihr diese Zweifel erst jetzt? So ein Prominenter bezahlte einen neuen Mantel sicher aus der Portokasse. Was, wenn es ihm völlig egal war, ob er ihn wiederbekam? 

    Tessa verließ das Kaufhaus und eilte durch dichtes Schneetreiben über die Obernstraße zu dem Verkaufsstand. Die Brüder waren noch nicht da. Sie stellte sich unter das Vordach und hielt Ausschau. Dick vermummte Menschen hasteten über den Platz. Anis- und Zuckerduft krabbelte durch ihre Nase direkt in ihren Magen. Sie drehte sich um und bestellte eine Tüte Mandeln, langte automatisch in die Jackentasche und im selben Augenblick legte sich der Schreck wie eine eisige Hand zwischen ihre Schulterblätter. Da war kein Portemonnaie. Erfolglos tastete sie auch die Taschen ihrer Jeans ab und fand nur ihren Schlüssel und ein Tempo. 

   »Wollen Sie nun die Mandeln, oder nicht?«, drängte die Verkäuferin, legte die Tüte auf den Tresen und stemmte die Hände in die Hüften. 

   »Ja, doch. Moment.« Tessa suchte in Bens Manteltaschen, fand eine Handvoll Münzen und zog sie heraus. Einen Moment lang zögerte sie, dann gab sie der Verkäuferin das geforderte Geld. Es war ja nur geliehen. Sicher würden die Brüder gleich um die Ecke biegen und dann konnte sie die Summe sofort zurückgeben. 

   Eine Frau trat an den Stand, schüttelte Schneeflocken von der Kapuze. »Einmal Mandeln, wenn sie frisch sind.« 

   »Nö, wo denken Sie hin, wir haben nur alte Ware vom vorigen Jahr, die dringend weg muss!«, gab die Mandelverkäuferin zurück. Die Mundwinkel der Pelzträgerin bogen sich nach unten. Die Marktfrau strahlte und ergänzte: »Natürlich sind die Mandeln frisch, gerade vom Chef gebrannt.« 

   Tessa schmunzelte. So ging Selbstbewusstsein! Davon konnte sie sich eine Scheibe abschneiden. Aber sie wollte und würde da auch hinkommen. Ein Anfang war gemacht, immerhin hatte sie gerade erfolgreich einem Sänger geholfen. Ob die Aktion allerdings positiv ausgehen würde, wurde immer fraglicher. Auf dem Kirchhof begannen die Händler, ihre Waren zusammenzuräumen. Der Wind zerrte an der Mandeltüte, die sie beinahe geleert hatte, ohne es wahrzunehmen. Sie steckte sie ein, hielt mit der anderen Hand den Kragen des Mantels zusammen und vermisste ihren neuen Schal schmerzlich. Jetzt hatte sie sich endlich einmal etwas getraut und prompt Handy, Jacke und Tasche nebst Inhalt verloren. Der warm gefütterte, aber zu große Kurzmantel tröstete sie nicht. 

   Aber erst, als sich ihr Treffpunkt in einen fahrbaren Anhänger verwandelt hatte und weggezogen wurde, machte sie sich auf den Weg zur Haltestelle, wobei sie sich immer wieder umdrehte. Ergebnislos. Männer waren doch alle gleich und die erfolgreichen augenscheinlich die schlimmsten. Ob nun ein Bauunternehmer oder ein Sänger.

 

***

Ende der Leseprobe

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