Mit „Todestiefe“ legt Bernadette Calonego den inzwischen siebten Fall für Calista Gates vor, die mittlerweile als Staff Sergeant eine neue Taskforce der RCMP leitet. Schon der Einstieg hat mich überzeugt: Mehrere Menschen stürzen an Neufundlands Küsten von den Klippen, offiziell ist von Selbstmorden die Rede, doch schnell zeigen sich Ungereimtheiten und verdächtige Zufälle.
Die Autorin verknüpft den aktuellen Fall um eine junge Mutter, deren Leiche nie gefunden wurde, mit früheren ungeklärten Stürzen und öffnet damit ein ganzes Geflecht aus familiären Spannungen, alten Verletzungen und unterschiedlichen Wahrheiten innerhalb eines eng verflochtenen Umfelds. Besonders gelungen fand ich, wie nach und nach sichtbar wird, was hinter der Fassade dieser Familie tatsächlich brodelt: Neid, Missgunst, Loyalitäten, die kippen, und Menschen, die sich ihre eigene Wirklichkeit zurechtlegen.
Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven, was die Spannung durchweg hochhält und immer wieder neue Blickwinkel eröffnet. Man hat das Gefühl, der Wahrheit nahe zu sein, und doch entzieht sie sich bis kurz vor Schluss, weil mehrere Figuren glaubhaft als Täter infrage kommen. Die Kapitel sind klar mit Ort und Datum gekennzeichnet, was bei den Szenenwechseln hilft und die Struktur des Romans unterstützt.
Calista selbst bleibt für mich eine der großen Stärken der Reihe: professionell, intuitiv, verletzlich, zugleich hartnäckig und empathisch. Ihre Zusammenarbeit mit der neu zusammengestellten Taskforce zeigt eine andere, verantwortungsvollere Seite von ihr, ohne ihre bekannten Ecken und Kanten zu glätten. Das Wiedersehen mit Fred van Heisen hat mir ebenfalls gefallen. Er ist zwar formal aus den Ermittlungen heraus, aber doch in die Geschehnisse eingebunden und für Calista eine wichtige Stütze – sachlich wie emotional. Die leise, immer wieder aufblitzende Spannung zwischen den beiden ist präsenter denn je, ohne den Krimiplot zu überlagern.
Sehr atmosphärisch ist erneut das Setting in Neufundland, mit seinen steilen Klippen, dem wechselhaften, oft rauen Wetter und einer Landschaft, die zugleich bedrohlich und faszinierend wirkt. Diese Kulisse trägt entscheidend zur Stimmung des Romans bei und weckt einmal mehr den Wunsch, diese Region selbst zu bereisen – wohl wissend, dass man dort eher mit Wind, Regen und Nebel als mit Postkartenidylle rechnen muss.
Sprachlich bleibt Calonego ihrem gut lesbaren, konzentrierten Stil treu. Sie verzichtet auf übermäßige Brutalität und erzielt Spannung eher über psychologische Feinheiten, Perspektivwechsel und das langsame Aufdecken von Zusammenhängen. Ich habe das Buch in sehr kurzer Zeit gelesen, weil ich die verschiedenen Verdachtsmomente sortieren und wissen wollte, welche Spur sich am Ende als die richtige erweist.
Mein Fazit: „Todestiefe“ ist ein atmosphärisch dichter, durchweg spannender Band der Calista-Gates-Reihe, der mit einem klug aufgebauten Plot, glaubwürdigen Figuren und einer eindrucksvollen Schauplatzwahl überzeugt. Für mich eine klare Leseempfehlung – und ich hoffe, dass Calista und Fred noch einige gemeinsame Fälle vor sich haben und sich persönlich sehr nahe kommen.
Sehr gern empfehle ich auch den Siebten Fall der Calista Gates Reihe weiter.
Heidelinde Penndorf
(Februar 2026)
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