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Nachlese Buchmesse Leipzig 2026 Empfehlung

Manche Orte fühlen sich sofort wieder vertraut an — selbst nach Jahren. So ging es uns am Samstag, den 21.03.2026  auf der Leipziger Buchmesse. Messen sind Orte der Verdichtung von Stimmen, Erwartungen und Geschichten. Doch diese Messe war einfach mehr: Sie wurde für viele zu einem Raum, in dem Literatur tatsächlich auf Leben traf.

Für mich und vier Autorinnen bzw. Autoren nebst den dazugehörenden Partnern — bedeutete dieser Tag vor allem eines: Wiederkehr. Sieben Jahre lagen zwischen unserem letzten gemeinsamen Besuch und diesem Wiedersehen. Die Pandemie hatte den Faden zerrissen, danach hielten uns berufliche Verpflichtungen, private Umbrüche und der gewöhnliche Zeitmangel auseinander.

Nun endlich wieder vereint, zogen wir als kleiner Kreis durch die Hallen — und doch nie lange vollständig. Man verlor sich auf dieser Messe fast zwangsläufig und fand sich später wieder: an Ständen, auf Treppen, zwischen Hallen, in kurzen Momenten des Innehaltens. Ein rasches „Da bist du ja wieder“, ein Lachen, ein Austausch über Entdeckungen. Unser Zusammensein folgte dem Rhythmus der Messe selbst: auseinander, zusammen, auseinander, zusammen — wie ein leises Pulsieren im großen Strom.

Die Messe zeigte sich dabei in ihrer vertrauten Ambivalenz. Da war die Fülle: Bücherberge, Signierschlangen, müde und zugleich leuchtende Gesichter. Begegnungen mit Autorinnen und Autoren, die für Leserinnen und Leser für einen Moment aus der Vorstellung in die Wirklichkeit traten. Worte, die blieben, lange nachdem man weitergegangen war.

Besonders lebendig war die Artist Alley mit Manga, Comics und Cosplay — ein farbenreiches, kreatives Universum, das das literarische Ereignis in Richtung Popkultur erweiterte und dennoch erstaunlich selbstverständlich dazugehörte.

Und immer wieder die kleinen Verlage, bei denen man jene unerwarteten Schätze fand, die in großen Buchhandlungen leicht verborgen bleiben.

Gleichzeitig waren die Grenzen der Organisation deutlich spürbar. Die Hallen wirkten enger, die Wege voller als früher. Am Morgen standen viele Besucherinnen und Besucher lange in der Märzkälte, weil der Einlass später begann. Als die Tore schließlich öffneten, strömten alle gleichzeitig hinein — entsprechend dicht, laut und unübersichtlich wurde es. Lesungen verschwanden hinter Menschentrauben, Orientierung wurde zur Geduldsprobe. Die körperliche Erfahrung von Enge überlagerte zeitweise die geistige Offenheit, die man sich von einer Buchmesse erhoffte.

Und doch blieb etwas anderes stärker. Dieses besondere Gefühl, unter Menschen zu sein, die Bücher lieben. Gespräche, spontane Wiedersehen, das gemeinsame Staunen, das stille Nebeneinander beim Blättern. Für unsere kleine Gruppe entstand daraus eine eigene Dramaturgie: hinaus in die Menge, zurück zueinander, weiterziehen, erneut begegnen.

Am Ende des Tages gingen wir erschöpft nach Hause — Füße schmerzend, Taschen schwer, Herzen voll.

Die Leipziger Buchmesse bleibt ein widersprüchlicher Ort: laut und überfüllt, manchmal oberflächlich, dann wieder überraschend tief. Man verliert sich im Strom und findet sich in einem Satz, einem Gespräch, einer zufälligen Begegnung wieder. Für uns wurde sie in diesem Jahr zu etwas noch Persönlicherem — zu einem Ort, an dem eine lange Unterbrechung ein Stück weit heilen konnte.

Sieben Jahre lassen sich nicht nachholen. Aber sie können überbrückt werden, wenn man gemeinsam durch Räume geht, die Erinnerungen tragen. Im Umherstreifen, im Wiederfinden, im einfachen Dasein nebeneinander stellte sich etwas wieder her, das sich nicht planen lässt.

Vielleicht liegt genau darin das eigentliche Versprechen solcher Tage: dass sie nicht nur Bücher zeigen, sondern Verbindungen erneuern — zwischen Menschen ebenso wie zwischen Menschen und Geschichten.

Verbindungen, die äußere Umstände gelockert hatten, waren nie verschwunden — nur weniger sichtbar geworden. Sie wieder zu stärken und zu spüren erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit.

An manchen Tagen schreibt das Leben Geschichten wie in einem Buch — und wir, die wir uns wiedergefunden haben, füllen dabei eine Seite unseres eigenen Lebensbuchs, enger miteinander verbunden als zuvor.

Heidelinde Penndorf 

 

 

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