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≠ Schwestern ≠ Liebe: Schwestern, die es nicht sind. Liebe, die es nicht gibt - Aida Larsingen Empfehlung

Ein leiser, aufwühlender Befreiungsschlag gegen die Schatten der eigenen Familie

Es gibt Geschichten, die mich auf eine sanfte und zugleich eindringliche Weise sofort durch ihre ungeschönte, schmerzhafte Echtheit gefangen nehmen. Aida Larsingens Novelle „Schwestern Liebe“ ist genau so ein kleines Büchlein – unscheinbar in seiner Größe, aber gewaltig in seiner emotionalen Wirkung.

Es liest sich wie das Psychogramm einer Frau, die im emotionalen Eis einer toxischen Familie aufgewachsen ist und nun Schritt für Schritt lernt, sich selbst wiederzufinden.

Im Mittelpunkt steht Marina, eine feinfühlige Englischlehrerin, mit der ich von der ersten Seite an intensiv mitgefühlt habe. Ihr ganzes Leben lang hat sie versucht, alles richtig zu machen. Sie war die „brave“ Tochter, die im Schatten ihrer jüngeren Schwester Polina lebte – einer Schwester, die von der Mutter mit Zärtlichkeit und Privilegien überschüttet wurde, während Marina nur Kälte, Kritik und ständige Abwertung erfuhr.

Die Autorin zeichnet diesen emotionalen Missbrauch mit einer erschreckenden Alltäglichkeit nach. Jedes Treffen mit der Mutter am steril sauberen Küchentisch hat mich beim Lesen tief betroffen gemacht. Es fühlt sich an wie ein schmerzhaftes Ritual, bei dem Marinas Selbstwertgefühl immer wieder aufs Neue verletzt und erschüttert wird.

Die Dynamik der Geschichte spitzt sich dramatisch zu, als Marinas Ex-Freund Pavel spurlos verschwindet und Jahre später eine grausame, manipulative Nachricht in einem alten Koffer hinterlässt.

Dadurch, dass die Kurzgeschichte abwechselnd aus den Perspektiven verschiedener Figuren erzählt wird, entfaltet sich vor den Augen der Leserinnen und Leser ein dichtes Netz aus Egoismus, Missgunst und lang gehüteten Familiengeheimnissen. Nach und nach beginnt die Fassade der Mutter und der Schwester zu bröckeln, bis die Wahrheit nicht länger verborgen bleiben kann.

Doch dieses Buch hat mich nicht mit einer reinen Tragödie zurückgelassen. Mit dem Auftauchen von Evgeny, einem aufmerksamen Wachmann, zieht ein Hauch von Frühling in Marinas graue Welt ein. Die zaghafte Annäherung der beiden im Café, das stille gegenseitige Verständnis und der Mut, sich einer fremden Seele zu öffnen, bilden für mich einen wunderbaren emotionalen Gegenpol zur Kälte ihrer Familie.

Aida Larsingen schreibt mit einfachen, aber ungemein kraftvollen Worten über komplexe und tief verletzende Gefühle. Mich hat diese Novelle tief bewegt, und ihre Geschichte klingt auch nach dem Lesen noch lange in mir nach.

Ein absoluter Geheimtipp für alle Leserinnen und Leser, die psychologisch dichte Geschichten über familiäre Verletzungen, verborgene Wunden und den leisen Mut zum Neuanfang lieben. Eine sehr gehaltvolle Kurzgeschichte - absolut lesenswert!

Heidelinde Penndorf

(August 2026)

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