Der Autor Dietmar Cuntz überrascht seine Leserinnen und Leser mit sieben Kurzgeschichten, in denen kleine Menschengruppen in den unterschiedlichsten Alltagssituationen aufeinandertreffen. Ob in einem steckengebliebenen Aufzug, während eines Kochkurses, auf einer Wanderung oder bei anderen zufälligen Begegnungen – stets stehen die zwischenmenschlichen Beziehungen und ihre feinen, oft leisen Dynamiken im Mittelpunkt.
Die Geschichten zeigen ein vielschichtiges und interessantes Bild menschlicher Begegnungen. Unterschiedliche Charaktere, Temperamente und Lebenswege treffen aufeinander und formen vertraute Gruppenkonstellationen: Einige übernehmen die Führung, andere bleiben eher im Hintergrund, wieder andere versuchen zu vermitteln. Besonders berührt haben mich jene Figuren, die sich in solchen Situationen unsicher fühlen oder ihren Platz erst suchen müssen. Gerade darin liegt für mich eine große Authentizität, denn vieles davon wirkt nah am eigenen Erleben. Es wird spürbar, wie wichtig jede einzelne Stimme ist – auch die leisen.
Die stark dialogorientierte Erzählweise verleiht den Geschichten einen beinahe szenischen Charakter. Vieles entfaltet sich im gesprochenen Wort, direkt und unverstellt. Beim Hören hatte ich immer wieder das Gefühl, mitten im Geschehen zu stehen. Besonders die Geschichte „Versöhnung“ ist mir im Gedächtnis geblieben, weil sie aus einer alltäglichen Situation heraus eine unerwartete Tiefe entwickelt. Andere Episoden, wie „Kochkurs“, leben von ihren lebendigen Figuren und ihrem Zusammenspiel. Wie so oft bei Kurzgeschichten haben mich manche stärker angesprochen als andere – einige hallen nach, andere ziehen eher still vorüber.
Das Hörbuch selbst ist sehr gelungen umgesetzt. Die unterschiedlichen Charaktere werden lebendig und klar unterscheidbar gesprochen. Auch wenn ich persönlich dem Lesen den Vorzug gebe, war es eine interessante und bereichernde Erfahrung, mich auf diese Form einzulassen. Beim Hören dieser Kurzgeschichten fühlte ich mich immer wieder wie eine stille Beobachterin mitten im Geschehen – nah an den Menschen, ihren Stimmen und den oft feinen Zwischentönen ihrer Begegnungen. Insgesamt habe ich das Werk als abwechslungsreich und anregend empfunden. Es unterhält nicht nur, sondern lädt auch dazu ein, über das eigene Verhalten in Gemeinschaften nachzudenken – über Nähe, Distanz und das feine Geflecht zwischenmenschlicher Beziehungen.
Heidelinde Penndorf
(Juni 2026)
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