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Mein Freund das Buch - Dirk von Grolman Empfehlung

Der Originaltitel des Buchs mit seinem Untertitel ist auch philosophischer und literaturwissenschaftlicher Maßstab des Inhalts:

Mein Freund das Buch

die Lehre der verschiedenen Dichtformen und ihrer Sonderformen

24 Aufsätze aus Die Lesewelt

Zeitschrift des Deutschen Bücherbundes von 1951 - 1954

von Autor und Literaturkritiker Dr. Dr. Adolf von Grolman

 

Dieses Buch ist ein öffentlicher Achtungserweis, eine Hommage des Autors an seinen Onkel Dr. Dr. Adolf von Grolman, (geb. 06.10.1888 – verstorben 17.08. 1973), einem bekannten deutschen Schriftsteller und Literaturkritiker. Sehr akribisch und liebevoll hat Dirk von Grolman die Texte aus dem Nachlassfundus des Onkels zusammengestellt und bearbeitet, um sie der breiten Öffentlichkeit der Leserschaft zur Verfügung zu stellen.

Es war für mich ungewöhnlich und auch hochinteressant, auf diese Weise an die Literaturwissenschaft herangeführt zu werden. Oftmals hatte ich während des Lesens das Gefühl, in einem Hörsaal einer literaturwissenschaftlichen Vorlesung zu folgen.

Die Leser erhalten Einblick in die Fragen der Poetik – die Lehre von den Dichtformen – welche versucht, die Erscheinungen des geistigen Lebens unter Einbeziehung der geistigen Leistung und der seelischen und schriftstellerischen Möglichkeiten zu definieren. Kein leichtes Unterfangen und auch immer wieder unter den Literaturwissenschaftlern und Literaturkritikern diskutiert.

Adolf von Grohlmanns Betrachtungsweise vom Wesen und Sinn des Romans ist sehr aufschlussreich und schlüssig. Wir erfahren, dass die Ursprünglichkeit des Romans in Frankreich liegt und die Bezeichnung ›Roman‹ erst im 17. Jahrhundert in Deutschland übernommen wurde.

Literaturwissenschaftlich ist es wichtig, sich mit der Abgrenzung des Romans zum Epos und auch zum Drama der Bühne auseinanderzusetzen. Das Epos ist zeitentrückt, der Held des Epos steht für seine Epoche und wie Adolf von Grolman schreibt, muss der Roman langsam gehen und das Drama soll eilen …

Es folgt eine intensive Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen des Romans. Um die Leserschaft in das Wissen einzuführen, hier die Aufzählung der einzelnen Romanarten:

  • Lebensroman
  • Erziehungs- Und Bildungsroman
  • Ich-Erzählung
  • Briefroman – Chronik – Dokument
  • Biografischer Roman – Doppelleben
  • Gesellschaftsroman
  • Komischer Roman
  • Künstlerroman
  • Historischer Roman

Adolf von Grolman zeigt an vielen präzisen Beispielen auf, welche Inhalte die einzelnen Romanarten ausmachen und weißt auf diverse Divergenzen hin. Hier setzt er sich auch intensiv philosophisch und philologisch mit bekannten Größen der Literatur auseinander und zeigt an Hand von Beispielen, wie zwiespältig manche ihrer Werke sind und weshalb sie bestimmte Kriterien ihrer angestrebten Romanart verfehlt oder eben auch genau auf den Punkt getroffen haben.

Stellvertretend für die vielen Schriftsteller der Weltliteratur, mit deren Werken sich von Grolman auseinandersetze erwähne ich hier: Friedrich Hölderlin, Wilhelm Hauff, Johann Peter Hebel, Gottfried Keller, Victor Hugo, Johann Wolfgang von Goethe, Walter Scott, Hans Christan Andersen, E.TH.A. Hoffmann, Richard v. Volkmann Leander, Oscar Wilde, Rainer Maria Rilke, Friedrich Nietzsche, die Gebrüder Grimm, Hans Pfitzner, Thomas Mann. Heinrich Heine, Friedrich Schiller, Hermann Hesse, William Shakespeare, Guy de Maupassant …

Wir erhalten einen Einblick in die literaturwissenschaftliche Betrachtung der Märchen, der Rahmenerzählung, der Legende, der Anekdote und der Novelle. Wobei von Grolman der Novelle seine besondere philologische  Aufmerksamkeit schenkt, denn wie er schreibt:

»... ist die Problematik der echten Novelle eines der edelsten Themata, welche es in der Poetik, in der Dichtungsgeschichte gibt und die Pflege ihrer Form, die Dichter vor eine große Zahl von Sonderaufgaben stellt. Denn wichtig ist beim Schreiben einer Novelle immer die Antwort auf die Frage – quid novi? – Was ist neu? ... denn der Inhalt einer Novelle beinhaltet immer DAS NEUE im GROSSEN LEBEN schlechthin.«

Adolf von Grolman gibt den Lesern auch einen literaturwissenschaftlichen Einblick in die Lyrik, geht dabei auf die Metrik (Verslehre) ein und stellt logischerweise auch die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur Epik und zum Drama heraus. Wir erfahren Wissenswertes über das Idyll der Antike und über die lyrisch gehobenen Prosagedichte, welcher keiner gebundenen Formlehre folgt und doch starke Elemente des Rhythmus von Versen und Reimen zum Inhalt hat.

Auf den letzten 30 Seiten des Buchs gehört Adolf von Grolmans Aufmerksamkeit dem Dialog zwischen Menschen auf der Bühne, dessen Formen und Gestaltung, der Bühnenanweisung des Dichters, der Komödie und dem Lustspiel und der Tragödie und dem Trauerspiel. Wobei er hier explizit auch auf den legendären uralten Streit um das Theater eingeht. Voraussetzung für Theaterstücke ist natürlich eine individuelle Literarisierung von geeigneten Texten und diversen Bühnenanweisungen des Dichters.

Wichtig scheint mir auch zu erwähnen, dass Adolf von Grolman klar und deutlich den Unterschied und die Bedeutung der Worte ›tragisch‹ und ›traurig‹ erklärt und somit darauf hinweist, dass etwas einfach nur traurig sein kann, ohne jedoch eine Tragödie zu sein. Dies zu verstehen ist erforderlich um die Theaterwelt hinsichtlich der Formen der ›Tragödie‹ und des ›Trauerspiels‹ zu verstehen.

Adolf von Grolman war schon eine beachtliche Größe als Literaturkritiker seines Zeitkolorits. Doch er war in seinen philologischen Ansichten eingeschränkt. Er nimmt aus seiner Betrachtungsweise die autonome Ästhetik (Unabhängigkeit der Literatur, Freiheit der Schriftsteller in all der literarischen Formen), heraus und orientiert in der Auseinandersetzung mit den literarischen Werken an der inneren Form, den sittlichen Werten, der moralischen ethischen Gesinnung der Schriftsteller und bezeichnenderweise auch am Christentum, an Glaubensfragen. Davon weicht er auch, zumindest in den 24 Aufsätzen, der Zeit von 1951 bis 1954, die in diesem Buch nachzulesen sind, nicht ab. Das sagt mir, dass er mit seiner fachlich fundierten Meinung zur Literatur einseitig sehr festgelegt war, fast schon apodiktisch, was ziemlich schade ist.

Wenn Adolf von Grolman noch leben würde, dann würde ich mit ihm gern ein kultiviertes Streitgespräch führen wollen, hinsichtlich seiner ablehnenden Einstellung zur Emanzipation und des Feminismus und auch darüber, dass er Frauen die Fähigkeit abspricht gute literarische Werke zu schreiben. In seinem Aufsatz über Freundschaft kommt er auch auf den Buchtitel zu sprechen und schreibt:

»Mein Freund: Das Buch – das Buch ist und bleibt männlich von der Bibel und von Homer her bis zu unseren Tagen. Das besagt: Für das Buch gibt es keine Emanzipation, denn alles Buch ist und bleibt ein geistiger Zustand, und dieser ist und bleibt männlich.«

Gerade auch über die Aussage dieses Satzes lässt sich trefflich streiten.

Auch hinsichtlich der Aussage Adolf von Grolman, dass die unterhaltende Geschichte der »Bestseller« kein Roman ist bin ich anderer Ansicht. Er schreibt dazu:

»Der echte Roman ist nicht Unterhaltung, sondern Weisheit … er ist nicht spannende Erzählung, sondern der Blick in die Weite der Welt, und zwar ein unbestochener Blick. … er ist dichterische Schöpfung eines Kunstwerks … hat die Gewalt, die Verantwortung und die Gnade von oben, ein großes Stück Welt zu überblicken, und dem Leben seiner Leser fruchtbar zu machen.«

Hier finden wir wiederholt seine philosophisch philologische einseitige Betrachtungsweise.

Trotz dieser oft einseitigen Betrachtungsweise literarischer Werke ist das Buch mit den 24 Aufsätzen von Dr. Dr. Adolf von Grolman, aufbereitet und herausgegeben von seinem Neffen Dirk von Grolman, ein bemerkenswertes Buch.

Ich empfehle das Buch uneingeschränkt!

Es ist lesenswert für die Leserschaft, die gern vom literaturwissenschaftlichem Wissen über die verschiedenen Romanformen, der Märchen, der Rahmenerzählung, der Legende, der Anekdote, der Novelle. der Poetik, Lyrik und der Bühnendichtung profitieren möchten und sicher auch interessant für alle Leser, die sich gern mit der Denkart des Schriftstellers und Literaturkritikers Dr.Dr. Adolf von Grolman auseinandersetzen möchten.

Autorenporträt Dirk von Grolman

 

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