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Hölle ohne Himmel - Lutz Sehmisch Empfehlung

Lutz Sehmisch, 1959 geboren, wächst in der DDR in einem autoritären Elternhaus auf, spürt oft die innere Distanz, die seine Eltern ihm entgegenbringen, fühlt sich dadurch irritiert und nicht genug geliebt. Schon sehr früh merkt er, dass er die Aufmerksamkeit seiner Eltern nur über gute Schulleistungen erreichen kann und dies auch nur mit mäßigem Erfolg.

Anders sieht es bei seiner jüngeren Schwester aus, die liebevoller und offener von ihren Eltern erzogen und ihm auch als Vorbild hingestellt wird. Dies wirkt sich auf seine psychische Entwicklung nicht grad positiv aus.

Lutz Sehmisch ist ein oft kränkelndes, schüchternes, introvertiertes Kind, Jugendlicher und auch Erwachsener, der an sich selbst zweifelt und wenig an sich glaubt. Ursächlich führt dies auch in späteren Jahren zu mehreren Suizidversuchen, Klinikaufenthalt, ambulanter Therapie, privaten und beruflichen Überforderungen.

Verstärkt wird das noch durch eine Straftat, die er kurz vor seinem 20. Geburtstag begeht, und die sich negativ auf sein weiteres privates und berufliches Leben auswirkt.

Er wäre überall auf der Welt für diese Straftat verurteilt worden, doch hier kam erschwerend seine Mitgliedschaft in der SED hinzu. Denn er erregte im negativen Sinne, die Aufmerksamkeit des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS/Stasi). Staatsfeindlich sei er und wurde auch unter diesem Gesichtspunkt mehrfach verhört und psychisch ziemlich unter Druck gesetzt, denn man nahm ihm seinen Alleingang in Bezug auf sein straffälliges Verhalten nicht ab und vermutete im Hintergrund eine aktive staatsfeindliche Gruppe.

Er wird verurteilt, nach Bautzen überführt. Eine Amnestie bringt ihm die vorzeitige Freiheit, mit knallharten Auflagen, einem zugewiesenen Arbeitsplatz und permanenter Observierung durch das MfS  beruflich und privat.

Im Laufe seines bisherigen Lebens hat er mehrere Partnerschaften, beruflich geht es durch Weiterbildungen bergauf. In der Wendezeit hat er die Hoffnung, dass alles anders wird, wird es auch, doch die Ellenbogengesellschaft, im Zusammenhang mit seinen psychischen Vorbelastungen, fordern ihren Tribut, er ist oft überfordert und wird immer weniger belastbar.

Ich bin nur auf wenige markante Handlungsstränge des Buchs und somit auch auf das Leben des Autors eingegangen – doch grad die, die ich benannte, waren sicher ausschlaggebend, dass er seinem autobiografischen Buch den Titel »Hölle ohne Himmel«. gab.

Lutz Sehmischs Lebensweg steht für die vielen Menschen, die auf diese Weise mit dem MfS in Berührung kamen, und sicher ähnliche Erfahrungen zu verzeichnen haben. Die bedrückende Atmosphäre seines Lebens hinterlässt bei mir nachdenkliche Spuren, sehr bewegt haben mich die tiefe Melancholie seines Denkens und die teilweise sehr starke Mutlosigkeit, die richtig heftig rüber kommt. Und doch erfordert es Mut, solch ein Buch zu schreiben, weil man sich nochmals mit der Vergangenheit intensiv auseinander setzen muss und die seelischen Wunden berührt werden.

Das Buch ist ein Stück Aufarbeitung der DDR - Vergangenheit und empfehlenswert.

 

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