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Leseprobe: Sohn der Nitribitt: Und alle schweigen - James Henry Burson

  

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    ›Sohn der Nitribitt‹ ist der Beginn von ›Ich sags nur dir...‹
   

     Ohne Rosemarie gäbe es nichts zu erzählen.

    Sie brachte ihn auf die Welt und starb unter mysteriösen Umständen.
    Der Junge realisierte nie, dass er einmal mit ihr gesprochen hatte...
    Er war Zeitlebens im Glauben, sie nie kennengelernt zu haben.

    Alles begann zur Weihnachtszeit.

***

    Bei all dem Trubel konnte Rosemarie ihren Sohn nicht vergessen. Sie holte Snow aus der Tierpension. Der Hund freute sich und pinkelte dort vor lauter Aufregung auf den Boden.

    „Ja meine Süße, Mutti ist ja wieder da. Komm in meine Arme.“ Der Hund sprang und sie fing ihn auf. Sie wollte nun unbedingt ihr Kind sehen und schauen, wie es ihm ging. Es hielt sie nicht länger. Sie musste ihn auch mal sprechen hören. Brille und ein schlichtes graues Kostüm, schon war sie fertig.

    Von Carlo lieh sie sich einen schon etwas verrosteten Käfer, das sollte reichen. Es konnte losgehen.

    Aus ihrer Bargeldschatulle nahm sie einen kleinen Batzen Geld und steckte es in einen Umschlag. Das Heim konnte sicher etwas damit anfangen. Die ganze Strecke über malte sie sich aus, wie es wohl sein würde. Spürte ein Kind, wenn die Mutter vor ihm stand, ohne sie wirklich zu kennen? Gab es da eine Schwingung, die sich übertrug? Die Aufregung, verursachte ihr einen leichten Schwindel und sie hielt an.

    Einatmen, ausatmen … Die Landschaft war herrlich anzusehen. Es war noch Sommer, aber leichter Nebel kündigte schon den kommenden Herbst an.

    Es war ungewohnt für sie, mitten in der Natur zu stehen und zu fühlen, wie klein doch ein Mensch ist, verglichen damit. Das war ganz anders als die Großstadt, die mit ihrer Hektik und dem Krach von all dem ablenkte, was das Leben sonst so ausmachen konnte.

    So, noch einmal tief durchschnaufen und es ging weiter.

    Sie war sich nun ganz sicher – hier würde keiner ihren Jungen finden. Das Haus war schon von Weitem zu sehen. Es wirkte tatsächlich wie ein großes Schwarzwaldhaus, auf einer Anhöhe. Liebevoll waren Blumenkästen mit Geranien an den Fenstern angebracht – ein schöner Ort für ein Kind. Besser konnte es ihm nicht gehen, und die Vorstellung beruhigte Rosemarie ungemein.

    Die Anhöhe an der Wiese vorbei, die sie schon kannte, und sie war da.

    Das Auto parkte sie hinter dem Heim beim Bauern und stieg aus. Gott, sie konnte sich kaum beruhigen, so aufgewühlt war sie. Sie ging den kleinen geschotterten Weg an einem Rosenbeet entlang und stand nun vor dem Haus. Ein Griff in die Handtasche und sie hatte den Umschlag mit dem Geld in der Hand. Sie steckte ihn mit einer flinken Geste in den Briefkasten.    

    So – das wäre erledigt.

    Etwas weiter am Gebäude entlang gab es einen Stahldeckel, der wohl eine Art Sickergrube verbarg. Und noch ein Stückchen weiter stand sie vor einem leeren betonierten Becken, in dem wohl die Kinder baden konnten, wenn Wasser eingelassen war. Schön.

    Von hier aus hatte sie den Blick hinunter auf die Wiese, wo Kinder spielten.

    Eines war wohl auf sie aufmerksam geworden. Sie hörte es rufen. „Jens, oben am Schwimmbecken wartet deine Mutter!“

    Himmel, was war denn das? Sie wollte sich schon abwenden, da kam der Kleine wie von einer Biene gestochen angerannt. Ja, er flog förmlich auf sie zu, weil er seinen Schwung nicht mehr rechtzeitig abbremsen konnte. Fast holte er sie von den Beinen, als er gegen sie knallte und sich dabei auf den Hosenboden setzte.

    „Du hast mir eine Laufmasche gemacht“, entfuhr es ihr. Sie war halt ganz Dame und vergaß für eine Sekunde, weswegen sie hier war.

    Dann schaute sie ihn an und es lag Zuneigung und Liebe in ihrem Blick. Gerne hätte sie ihn aufgehoben, traute sich aber nicht. Sie war tatsächlich verlegen.

    Das Kind fragte, ob sie Kinder habe. Ein Stich ins Herz.

    „Nein, hab ich nicht.“, musste sie sagen. Das gab wiederum dem Kind einen Stich – sie sah es. Wie hübsch er war. Dunkelbraune Augen, die Haare fast wie Mahagoni, schlank und mit einem weichen, runden, ebenmäßigen Gesicht. Sie ging in die Knie, um mit ihm auf Augenhöhe zu sein, und konnte den Blick nicht von ihm lassen. Die Sonnenbrille hatte sie längst abgenommen.

    Noch saß er da unten, und schaute zu ihr hoch. Ihr quoll förmlich das Herz über, so nahe war sie ihm. Ein leichter Schwindel ergriff sie.

    Es war zu sehen, dass es in dem Jungen arbeitete und ihre Antwort auf seine Frage nach dem Kind, schien ihn zu erschüttern. Ungläubig sah er zu ihr auf, erhob sich, schaute sie noch einmal intensiv an und rannte weg. War sie eben noch voller Glückseligkeit, brach es ihr nun das Herz. Sie hatte ihn förmlich verleugnet. Etwas Schlimmeres konnte eine Mutter gar nicht tun. Sie hatte es gerade eben getan …

    Er lief zu den anderen Kindern und dort stand er dem, der ihn gerufen hatte gegenüber und er schien traurig zu sein.

    Mit diesem Bild drehte sie sich um und verließ das Heim. So hatte sie sich das Treffen nicht vorgestellt …

  Konrad wurde wegen des Einbruchs in das Säuglingsheim zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Seine Lizenz als Privatdetektiv musste er zurückgeben. Er hatte – wen wunderte es – denselben Anwalt wie Grupp. Der hatte ihm eine große Summe Geldes versprochen, wenn Konrad ihn schützen würde. Das tat der dann auch. Die Telefonnummer, die die Polizei von Grupp bei Konrad gefunden hatte, hing angeblich mit einem anderen Fall zusammen und stand nicht in Verbindung mit dem Kind, das Konrad seinerzeit für wieder jemand anderen gesucht hatte. Eine Verbindung zu Rosemarie konnte nicht hergestellt werden und es suchte sie auch keiner, da es ja das Kind eines unbekannten Charles Burson war und die Mutter Hazel Stewart hieß. Konrad und Grupp schwiegen sich aus verständlichen Gründen aus. Der Fall war erledigt.

 

~~ Ende der Leseprobe  ~~

 


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