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Das Koma: Mein größtes Glück - Reinhard Belser Empfehlung

Es erfordert schon eine große Portion Mut, sich mit einem autobiografischen Roman öffentlich zu outen. Denn nichts ist schwieriger als über sich selbst zu schreiben, zumal wenn man jahrzehntelang Drogen und Alkohol konsumierte und sich eingestehen muss, dass man den totalen psychischen und physischen Zusammenbruch selbst herbeigeführt hat und man allein an seiner Situation schuld ist. Sich dies einzugestehen, aufzuschreiben und als Buch zu verlegen, ist wie sich selbst zu spiegeln. Fast emotionslos schreibt der Autor im Tagebuch-Stil diese Zeit nieder. Doch das hat man oft bei Menschen, die ein Trauma erlebten und über sich selbst reflektierend berichten.

Irritiert hat mich zuerst folgendes: Anfangs las es sich so, als ob der Zusammenbruch die Folge einer Silvesternacht war, in welcher Herr Belser mit Freunden feierte und dem Alkohol und Heroin kräftig zusprach. Doch später im Buch kam dann der Hinweis, dass er schon knappe drei Jahrzehnte drogenabhängig war – die besagte Silvesternacht war also nur das Tröpfchen, welches das Fass zum Überlaufen brachte und er als Folge in ein zehnwöchiges Koma fiel – nur die Hightech Medizin und ein ganzer Ärztestab retteten ihm das Leben.

Und dann kam erst einmal die Ernüchterung. Die vielfältigen ungünstigen Diagnosen degradierten ihn zum Pflegefall – austherapiert – abgeschoben  Pflegeheim. Das ist nichts Neues, seit in den Krankenhäusern nach DRG-Fällen abgerechnet wird – Kostenfaktor Patient.

Und so begann seine achtjährige Odyssee – Pflegeheim, geschlossene Psychiatrie, Physiotherapie, Reha-Maßnahmen, Gehwagen, Rollator, Krücken, Stock, auch Testperson einer Testreihe für ein neues Medikament für Hepatitis C, Hüft- OP, Übungen der Merkfähigkeit - alles ermüdend, anstrengend und langwierig. Und zwischendurch immer mal wieder der Suchtdruck, Depressionen, auch leichte Aggressivität, Schmerzen und manchmal auch Verzweiflung.

Der lange steinige Weg, aus dem tiefen Tal ins neue Leben hinein, wurde durchweg getragen vom eisernen Willen des Autors, dem Willen, ohne Hilfsmittel wieder am Leben teilhaben zu können, wieder gesund zu werden. Und die vielen Jahre wurden auch getragen von der Liebe seiner Familie. Was viele für unmöglich und nicht machbar hielten, auch Teile der Ärzteschaft, hat Herr Belser mit einer großen Portion Glück, Durchhaltevermögen, Zuversicht und den Glauben an sich selbst bewerkstelligt.  2014 war es endlich soweit, seitdem kann der Autor wieder ein normales Leben führen. Er hat seine Chance gut genutzt, sich sein Leben - eigentlich ein neues Leben, zurückerobert.

Ich empfehle das Buch sehr gern weiter. Es ist ein Mutmachbuch, auch in schwierigen Situationen nicht aufzugeben und es ist ein Buch, welches die Folgen des Drogen/Alkoholkonsums vor Augen führt – ein erschütternder Live-Bericht eines gestrauchelten Mannes, der sich wieder an die Oberfläche in ein neues Leben gekämpft hat. Ich wünsche Herrn Belser alles Gute, ein glückliches langes Leben im Kreise seiner Familie und ein Leben ohne Drogen – ich wünsch ihm, dass er den Versuchungen immer widerstehen kann und clean bleibt.

Heidelinde Penndorf

(16.03.2019)

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